BRÜCKENKOPF Severinsbrücke Köln 2012
Stockholm Järvafield 2010
Bonn 2009|10
Ründeroth 2008
Monheim 2007|08
Gummersbach 2006|07



Bearbeitung

Katrin Steins







Memorandum zur Stadtausstellung Stockholm 2030





Hat die Stadt noch Sinn?

In den stadtsoziologischen Debatten der 80er und frühen 90er Jahre haben Experten ein drastisches Schrumpfen, einen massiven Bedeutungsverlust, sogar das Verschwinden der Städte vorausgesagt. Die Fortschritte in Wirtschaft, Technik und Kommunikation, aber auch der zunehmende Tertiärisierungsprozess haben die Primärfunktion der Stadt, als Arbeitsort zu dienen, hinfällig werden lassen. Heute erleben wir die Renaissance der Großstädte. Sie gewinnen insbesondere in Europa wieder an Bedeutung. Mit dem Anstieg der Weltbevölkerung von 2,5 Milliarden Menschen im Jahr 1950, auf 6,8 Milliarden 2009 und weiter auf schätzungsweise 9 Milliarden Menschen im Jahr 2050, verändern sich auch die jeweiligen Anteile der Land- und Stadtbevölkerung. Lebten 1950 nur 29% der Weltbevölkerung in Städten, sind es gegenwärtig schon 50%. Bis 2050 wird sich der Anteil nach Schätzungen der UN auf knapp 69% weiter erhöhen.

                       

Städte sind und werden immer die Zentren der Finanzwelt, Industrie, Kommunikation, der kulturellen Verschiedenheit und der politischen Dynamik bleiben, immens produktiv, kreativ und innovativ. Aber sie sind auch die Zentren der Armut, Gewalt, Umweltverschmutzung und Überbevölkerung. Die Umweltprobleme der Zukunft werden Stadtprobleme sein. Nicht-nachhaltige Formen des Verbrauchs, Industriekonzentration, intensive ökonomische Aktivitäten, zunehmende Motorisierung und uneffizientes Müllmanagement untermauern diese These. Leben und Gesundheit sind bedroht. Für Millionen Menschen ist das Leben in der Stadt längst zu einem Albtraum geworden, weit entfernt vom Traum von Sicherheit und Wohlstand, den Stadtvisionäre immer beschworen haben.

           

Trotz all ihrer Probleme und Herausforderungen wachsen die Städte weiter. Die Geschichte hat gezeigt, dass alle Versuche, die Urbanisierung aufzuhalten, fehlgeschlagen sind. Heute herrscht weitgehend Übereinstimmung darüber, dass Urbanisierung nicht nur unausweichlich ist, sondern auch positiv gesehen werden muss. Städte existieren, weil sie viele Möglichkeiten bieten und ein besseres Leben versprechen. In den Städten können menschliche, ökonomische und technische Ressourcen zu maximalem Nutzen integriert werden. Gut funktionierende Städte sind zugleich Voraussetzung für eine erfolgreiche ländliche Entwicklung.

 

Aber Stadtplanung und Politik haben zu ernsten Umweltschäden und zerstörenden Lebensbedingungen in vielen Städten der Welt geführt. Es besteht kein Zweifel, dass Städte das Potenzial haben, sicher und gesund für ihre Bewohner zu sein. Es muss die soziale Dimension der Stadt fokussiert werden, neue Annäherungen und Strategien für die Verwaltung der urbanen Gebiete entworfen und innovative Methoden vorgeschlagen werden, um Umwelt und Infrastruktur zu verbessern.          

           

Der Mensch braucht die Stadt, für Austausch, Begegnung, Erfahrung, Fürsorge, als Lebensraum und Heimat, denn in der globalisierten, ortlos-anonymen Welt des 21. Jahrhunderts rücken diese sinnstiftenden Phänomene, die die Stadt in der Lage ist zu leisten, zunehmend in den Fokus der Entwicklungen. Städte können eine neue Qualität des urbanen Lebens, des Wohnen und des Wirtschaftens entwickeln. Gleichwohl sind auch sie von den negativen demografischen Entwicklungen betroffen. Wachstum ist in der westlichen Welt nur noch im Wettbewerb um Zuwanderer möglich, die Wachstumsprobleme die daraus entstehen, sind weitgehend bekannt: ökologische Belastungen, hohe Immobilien- und Lebenshaltungskosten und der Verdrängungswettbewerb zwischen konkurrierenden Nutzungen.

 

Die Globalisierung und veränderte Produktionsmethoden stellen zunehmend innerstädtische Transformationsräume zur Nachverdichtung und Innenentwicklung zur Verfügung. Die Stadtplanung stürzt sich auf die vormals isolierten Orte, entwickelt sie zu neuen hochpreisigen, urbanen Wohnquartieren und versucht sie so in das Stadtgefüge einzugliedern. Bei aller Zentrenkonzentration wird darüberhinaus häufig ein weiteres Problem der meisten europäischen Städte vernachlässigt, die Stadterweiterungen der 60er und 70er Jahre. Die randstädtischen Großwohnsiedlungen sind jedoch aufgrund ihres jahrzehntelangen hohen Anteils am Wohnungsbau ein wichtiges Segment des gesamten Wohnungsbestandes und trotz städtebaulicher Mängel langfristig für die Wohnraumversorgung unverzichtbar.

 

Die Mängel der Siedlungen in Großtafelbauweise sind omnipräsent, stark genormte Typenbauten mit hohem Anteil an Klein- und Kleinstwohnungen in erheblicher Verdichtung, bautechnische Mängel und Schäden an Gebäuden sowie Ver- und Entsorgungssystemen, Energieverschwendung, städtebauliche Monotonie und uniforme Gestaltung der Wohnhäuser ohne historische oder lokal-regionale Indentifikationsmöglichkeiten im Wohnumfeld, stark zentralisierte gesellschaftliche und Versorgungseinrichtungen ohne private Handels- und Handwerksbetriebe, fehlende wohnungsnahe Infrastruktur, fehlende Möglichkeit der wohnungsnahen Erwerbstätigkeit, geringer Gebrauchswert der öffentlichen Räume im Wohnumfeld, Ausbleiben jeglichen städtischen Lebens, mangelhafte städtebauliche Anbindung an benachbarte Wohnquartiere (Inselplanung), Verkehrsprobleme (Parkplatzmangel), sowie zunehmende Segregation und aufkommende Unruhen, wie zuletzt in den Vororten von Paris.

 

Die Metropolregion Stockholm teilt diese Probleme und nimmt sie zum Anlass, mit der Stadtausstellung Stockholm 2030 exemplarische Lösungswege für die Herausforderungen des 21. Jh. aufzuzeigen, Entwicklungsimpulse zu setzen und Grundlage für eine nachhaltige Stadtentwicklung zu sein. Die Ergebnisse der Ausstellung sind Stockholms Antwort auf die Fragen nach der Zukunft der Stadt und der Stadt der Zukunft. Das Memorandum stellt den ersten Schritt im Arbeitsprozess dar und soll über die Fragen und Ziele der Ausstellung, den Ablauf und die Ausstellungsorte informieren.

 




Masterplan Ausstellungsraum Järvafield













Ausstellungsraum Kista | Akalla