DIE 8 HEBEL RESILIENTER STADTENTWICKLUNG

Lehrende

Prof. Christian Moczala
Dana Kurz M. Sc.

Modul

Projekt III
Wintersemester 2014/15

thema

Die resiliente Stadt Köln-Ehrenfeld
Stadterneuerung/Quartiersentwicklung

Verfasser/in

Jan Henning Eggers
Daniel Vetter
Ina Willemsen

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Fokus

Das Ehrenfeld, von dem jeder spricht, kennt man. Kulturelle Vielfalt, pulsierendes Nightlife, hippes Wohnviertel. Der ehemalige Arbeiter- und Industriestadtteil hat in letzter Zeit eine enorme Entwicklung durchgemacht. Kreative wie die Initiatoren von Jack in the Box oder ähnlichen Projekten haben ihre Spuren hinterlassen. Der Bahnhof Ehrenfeld hat eine Aufwertung erhalten. Gerade in Ehrenfeld schert man sich um sein Veedel. Die Bürger Ehrenfelds sind engagiert und wollen an der Gestaltung ihres Lebensraumes teilhaben. Das Herzstück Ehrenfelds das Heliosgelände soll neu bebaut werden. Die Pläne des Investors, dort ein Einkaufszentrum zu errichten wurden von der Bevölkerung vehement abgelehnt. In einer Bürgerinitiative organisiert überlegt man sich, was stattdessen auf diesem Gelände entstehen kann. Ausführliche Diskussionen, mit einer enorm hohen Beteiligung, darüber fanden mit Politik und den Eigentümern des Heliosgeländes statt. So scheint es, dass zumindest von
dem ursprünglichen Plan des Einkaufszentrums abgewichen wurde und nun eine Schule auf dem Gelände entstehen könnte. In diesem Prozess, in dem die Bürger ein Recht auf Mitbestimmung einfordern, wurden bereits neue Wege für die Stadtentwicklung in Ehrenfeld eingeschlagen. Doch was passiert mit dem Süden Ehrenfelds, der zum Einen durch neueres und älteres Wohnen, aber größtenteils durch Gewerbe, Bürostandorte und Einzelhandel geprägt ist? Kann dieser Teil der Stadt Köln dem Wandel standhalten? Wird das heterogene Erscheinungsbild der Bebauung bestehen bleiben oder muss es Neubauten und der radikalen Flächenneuentwicklung weichen? Sind städtebauliche Projekte wie z.B. das Vulkan-Gelände die Lösung?Auch dieser noch recht zentral liegende Stadtteil sollte flexibel, vielseitig und lebendig werden, um zukunftsfähig zu sein. Doch für eine nachhaltige und
resiliente Stadtentwicklung, die dies bewirken kann, muss noch Einiges geschehen. Dabei liegt der Blickpunkt zum Einen auf den räumlichen und baulichen Strukturen, mehr jedoch auf der Untersuchung der sich wandelnden Verhaltensweisen von Bewohnern, Nutzern und Eigentümern sowie sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Verknüpfungen.

Um eine gewisse Widerstandsfähigkeit im Sinne der Resilienz aufzubauen, müssen diese Aspekte zu einer Entwicklungsstrategie verwoben werden, die das Gebiet umfassend versteht. Im Rahmen des Projektes „Krise! Die resiliente Stadt Ehrenfeld?“ Werden die Strukturen Süd-Ehrenfelds in den ersten Arbeitsschritten untersucht, gewonnene Erkenntnisse zu einer Handlungsstrategie mit eindeutigen Zielvorstellungen verdichtet und an der prozessualen Entwicklung eines Teilgebiets erprobt.

Intention

Zur Entwicklung einer resilienten Strategie für Ehrenfeld-Süd benötigt man eine Zielvorstellung:
In welche Richtung wäre eine Entwicklung des Städtebaus und der Gemeinschaftsbildung empfehlenswert?
Die untersuchten städtebaulichen und menschlichen Faktoren zeigen, dass es schon Netzwerke in Ehrenfeld gibt und der Stadtteil eine eigene, ganz spezifische Identität besitzt. Die Menschen, die in Ehrenfeld leben, identifizieren sich sehr mit ihrem Stadtteil. Dies gilt jedoch nicht für alle Bereiche in Ehrenfeld, gerade Ehrenfeld-Süd fällt weitestgehend aus diesen Netzwerken hinaus. Dessen Bewohner suchen den Anschluss an das Ehrenfelder Zentrum, da ihnen in ihrem eigenen Umfeld nicht so viel geboten wird, wie sie es sich wünschen würden. Es wird auch dort ein lokales Netzwerk benötigt, um sich beheimatet zu fühlen und darüber eine gemeinschaftliche Identität zu generieren. Häufig entstehen Netzwerke, sobald sich zum Beispiel eine temporäre Nutzung an einem Ort niederlässt. Diese Art der Nutzung entsteht oft in Clustern und zieht andere ähnlich geartete Projekte an. Durch die Bildung eines Nutzungsclusters entsteht eine spezifische Identität. Diese entfaltet sich mit der Zeit aus dem Netzwerk und den individuellen Wertvorstellungen aller Beteiligten. Erst im kommunikativen Austausch können gemeinsame Bedeutungszuschreibungen auf einen Raum, entwickelt und gefestigt werden. Identität ist nicht ausschließlich vergangenheitsorientiert und statisch, sondern spiegelt auch das alltägliche Leben und die vorherrschende Lebensweise der Gegenwart wider. Sie muss in modernen Gesellschaften in ihrer Dynamik und Prozesshaftigkeit gesehen werden. In den Zeiten der Globalisierung wird sie zunehmend für städtische und regionale Entwicklungskonzepte bedeutsam. Raumbezogene Identität kann nicht ohne die ihre hervorbringenden Akteure gedacht werden und ist nicht einfach intentional herstellbar. Man hat erkannt, dass Bürger, die sich als zugehörig zu „ihrem“ Raum fühlen, diesen wesentlich mit weiterentwickeln. Dabei auftretende Interessenskonflikte bieten den Akteuren die Möglichkeit bewusst ihre unterschiedlichen Vorstellungen zu thematisieren und in konstruktive Handlungen umzusetzen.

FLÄCHENNUTZUNG

Durch die Öffnung der Fläche öffnet sich für die Bevölkerung ein Ort für Aktionen und die freie Nutzung der Bevölkerung, welche dort ihre Ideen umsetzen kann, Bewohner, ohne eigenen Garten, bekommen die Möglichkeit, an einem Ort gärtnern zu können, zu grillen und den nachbarschaftlichen Austausch zu fördern. Die Umsetzung solcher Projekte erfordert bereits im Vorhinein eine Verknüpfung und Organisation verschiedener Akteure untereinander. Oft sind Geschicklichkeit, Kreativität  und Improvisationstalent der Akteure gefragt, da keine großen Investitionen getätigt werden sollen. Auftaktaktion für die Eroberung der Fläche war eine studentische Aktion, bei der(symbolisch  für die Vernetzung des  Stadtraums und der Bürger untereinander), die einst bestehende Brücke durch ein Fadennetzwerk neu gespannt wurde. Es erfolgen erste gestalterische Akte, indem Orte mit Aufenthaltsqualität eingerichtet werden oder in Form von Kunstinstallationen. Der Kaffeeroller im Sommer mit entsprechenden Sitzgelegenheiten ist nicht nur für Eltern mit Kindern ein anziehender Ort, der „Möglichkeitsraum“, der sich an dieser Stelle auftut, bietet eventuell auch Raum zur Verwirklichung von Ideen der Ehrenfelder, die nicht unmittelbar in Nähe der Fläche Wohnen. Aktionen, die von Studenten geplant werden, können sehr schnell viele Menschen erreichen. Weitere temporäre Bauten (wie z.B. Ein Infopoint) und Grünstrukturen werden ausprobiert, entwickeln sich und „tragen Früchte“ oder auch nicht.  Die Nutzungen, welche sich in der Phase der Reifung als erfolgreich herausgebildet haben, können in eine dauerhaftere Form der Nutzung überführt werden. Durch die Existenz von Permanentem bieten sich immer wieder Anknüpfungspunkte für neue Projekte und Nutzungen. Das Akteuersnetzwerk, welches in den vorangegangenen Phasen entstanden ist,  könnte sich ebenfalls so stark verfestigt haben,  dass sich Gruppen gefunden haben, die ihren Aktivitäten eine rechtsgültige Basis geben wollen und darum ihre Initiative in einen Verein, eine Genossenschaft oder ähnliches überführen. Möglich wäre auch, dass  externe Interessierte auf die Idee kommen, ähnliche Projekte hier und dort zu initiieren. Manche Nutzungen wachsen vielleicht auch zusehends und breiten sich wegen  ihrer großen Beliebtheit und Nutzerintensität weiter in den Raum aus.  Hierdurch können sich auch für die angestammten Nutzungen neue Perspektiven eröffnen, die zu einem weiteren Wandel anregen. So gewinnt diese Phase eine ganz besondere neue Dynamik, welche ihrerseits viele neue Prozesse anstoßen kann.

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