Sozialgerechte Bestandsentwicklung

Transformation statt verdrängung

Gutachter

Prof. Dr. Thorsten Erl 
Prof. Martin Hölscher 

Modul

Thesis Sommersemester 2024

thema

Sozialgerechte Umsetzung von Modernisierungs- und
Umbaumaßnahmen im
Wohnungsbestand
 

Verfasser/in

Montana Schulze

 

Auf den Betrieb von Gebäuden entfallen circa 35 Prozent des Endenergieverbrauchs in Deutschland und circa 30 Prozent der CO₂-Emissionen; pro Tag werden durchschnittlich 52 Hektar für Siedlungs- und Verkehrsflächen in Anspruch genommen. Diese Daten stehen diametral zu den gesetzten Klimaschutzzielen: den Gebäudebestand in Deutschland bis 2050 in einen nahezu klimaneutralen Zustand zu überführen und die Flächenneuinanspruchnahme auf Netto-Null zu reduzieren. Zur Erreichung dieser Ziele stellen Modernisierungs- und Umbaumaßnahmen einen entscheidenden Baustein dar, indem der Energieverbrauch im Betrieb der Gebäude reduziert und das Potenzial der Wohnungsversorgung durch Nachverdichtung genutzt wird. Die Realität zeigt jedoch, dass viele dieser Maßnahmen negative Folgen auf die soziale Gerechtigkeit haben können, wie zum Beispiel die Verdrängung von Menschen, die in diesen Gebäuden zur Miete wohnen.
Ziel dieser Arbeit war aus diesem Grund die Auseinandersetzung mit den möglichen negativen Auswirkungen von Modernisierungs- und Umbaumaßnahmen sowie die Entwicklung von Lösungsansätzen in der Form eines Prozessentwurfs, um diesen negativen Folgen entgegenzuwirken.

Zur Beantwortung der Forschungsfrage „Wie kann die Umsetzung von Modernisierungs- und Umbaumaßnahmen im Wohnungsbestand sozialgerecht stattfinden?“ wurde eine Erarbeitung in vier Schritten durchgeführt.

Zunächst liefern zehn Argumente mögliche Gründe für negative Auswirkungen auf die soziale Gerechtigkeit durch Modernisierungs- und Umbaumaßnahmen. Hierbei stehen die Zusammenführung und Verknüpfung unterschiedlicher Fachperspektiven im Mittelpunkt. Die Untersuchung zeigt zudem, dass negative Auswirkungen nicht zwangsläufig entstehen müssen, sondern oft eine Folge der Entscheidungen einzelner Beteiligten sowie der gesetzten Rahmenbedingungen sind. Für diese Rahmenbedingungen werden Lösungsansätze vorgestellt. Mithilfe von Interviews und Praxisbeispielen wurde ein Prozessentwurf entwickelt, der in sechs Phasen eine sozialgerechte bis transformative Durchführung von Modernisierungs- und Umbaumaßnahmen darstellt. Dieser Prozessentwurf wird abschließend auf ein Fallbeispiel angewendet. Insgesamt zeigt der erarbeitete Prozessentwurf, wie die sozialgerechte Umsetzung von Modernisierungs- und Umbaumaßnahmen stattfinden kann. Angesichts der in dieser Arbeit aufgezeigten negativen Auswirkungen ist dies auch notwendig. Der Prozessentwurf versteht sich dabei als ein Instrument, das bei der Konzeption und Reflexion dieser Prozesse unterstützen kann. Er bietet die Möglichkeit, Erfahrungen und Erkenntnisse weiterzugeben und dazu anzuregen, Modernisierungs- und Umbauprozesse als dynamische und komplexe Vorgänge zu begreifen, welche die Lebenswelten von Mietenden betreffen. Diese Prozesse sind mit Herausforderungen und Widerständen, aber auch mit transformativen Potenzialen verbunden.
(Auszug Abstract)
 

Die Thesis wurde mit dem 1. Platz beim NRW.BANK Studienpreis „ Wohnen & Stadt“ ausgezeichnet. 

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